Strafvollzugsforschung

Die Strafvollzugsforschung ist der wichtigste Forschungsbereich der Arbeitsgruppe. Ausgangspunkt sind dabei die Lebensbedingungen im Strafvollzug und das Resozialisierungsziel, deren Untersuchung aber immer mit einer Analyse der im jeweiligen Kontext geltenden Rechtsregeln verknüpft ist, also auf der nationalen - deutschen - Ebene die Strafvollzugsgesetze der Länder und, soweit es noch gilt, das BundesStVollzG sowie auf der europäischen Ebene die rechtlichen Instrumente des Europarats mit der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten und den Empfehlungen des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten.

Ein Projekt, in dem ein Vergleich mehrerer europäischer Ländern angestellt wurde, ist das mittlerweile abgeschlossene Projekt "Langstrafenvollzug und die Frage der Menschenrechte in Staaten der Europäischen Union", das von der Europäischen Kommission finanziell gefördert wurde. Der Abschlussbericht ist 2014 unter dem Titel "Long-term Imprisonment and Human Rights" (hrsg. v. Kirstin Drenkhahn, Manuela Dudeck und Frieder Dünkel) erschienen.

Zurzeit beschäftigen wir uns theoretisch und praktisch (Uni im Vollzug) mit der Bedeutung von Bildung einschließlich universitärer Bildung im Strafvollzug. Im Frühjahr 2019 hat Kirstin Drenkhahn an der Datenerhebung zu einem großen Projekt zu Bildungsangeboten im US-amerikanischen Strafvollzug (Higher Education in Prison: A Pilot Study of Approaches and Modes of Delivery in Eight Prison Administrations) teilgenommen, dass von Susan Dewey (University of Wyoming, Laramie) geleitet wird. Susan Dewey leitet auch das Projekt Wyoming Pathways from Prison, das Gefangenen in Wyoming Bildungsangebote macht. Ein Bericht über das Bildungsprojekt wird demnächst voraussichtlich im Journal of Correctional Education erscheinen.

Aktuell werden in sechs Dissertationsvorhaben Probleme des Strafvollzugs und des Übergangs untersucht:

  • Der Verlauf von Außenbeziehungen im Jugendstrafvollzug unter besonderer Berücksichtigung von Sexualität und Langzeitbesuchen (Diss. Julian Knop).
  • Elternrechte - Beteiligung der Eltern minderjähriger Gefangener an der Vollzugsplanung (Diss. Johanna Schmid)
  • Schulische Bildung im Jugendstrafvollzug (Diss. Anna Kroupa)
  • Vergleichende Untersuchung der Situation von Langzeitgefangenen in Deutschland und der Türkei (Diss. Numan Özcan)

  • Lebensqualität im Strafvollzug (Diss. Eva Tanz)

  • Desistanceprozesse nach Haftentlassung bei Sexualstraftätern (Diss. Manuel Mika)

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft Restorative Justice im Strafvollzug. Hier interessiert besonders die Sinnhaftigkeit von Restorative Justice-Maßnahmen aus der Perspektive des Vollzugs: Können solche Maßnahmen bei der Erreichung des gesetzlich festgeschriebenen Ziels des Vollzugs - Resozialisierung - helfen? Wie und warum können sie sinnvoll sein? Können sie sich positiv auf das Anstaltsklima auswirken? Neben einer theoretischen Auseinandersetzung mit RJ im Vollzug haben wir mit der Jugendstrafanstalt Berlin zusammengearbeitet.