Uni im Vollzug

Gemeinsam mit dem Verein für Straffälligenhilfe "Tatort Zukunft", der Alice-Salomon-Hochschule (Prof. Dr. Heinz Cornel, Fachbereich Soziale Arbeit) wollen wir ein gemeinsames Lehrprojekt für Studierende im Vollzug und an Berliner Hochschulen im Berliner Justizvollzug etablieren. Die Veranstaltung wird mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung und der JVA Tegel seit dem Wintersemester 2018/19 in der JVA Tegel durchgeführt.


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An der FU und bei Tatort Zukunft verantwortlich sind Julia Wegner, Julian Knop und Anna Kroupa. Von unserem Fachbereich werden im Wintersemester 2019/20 fünf Studierende teilnehmen können. Wir erwarten von Ihnen, dass Sie ernsthaftes Interesse an neuen Perspektiven und am Diskutieren haben und durchhalten - Zoobesucher sind nicht erwünscht! Die Veranstaltung findet montags von 16-18 Uhr in der JVA Tegel statt, die die Unterstützung der Lehrveranstaltung bereits zugesagt hat. Der Kurs ist als Schlüsselqualifikation vom GJPA anerkannt. Die Auftaktveranstaltung findet am 21.10. von 16-18 Uhr an der FU statt. Bitte bewerben Sie sich mit mit einem Motivationsschreiben (eine DIN A4-Seite) bis 07.10.2019 per E-mail an info@tatort-zukunft-berlin.de. In dem Motivationsschreiben beantworten Sie bitte folgende Fragen:
  1. Warum möchten Sie an der Uni im Vollzug teilnehmen?
  2. Inwiefern verfügen Sie bereits über Erfahrungen, die für die Uni im Vollzug relevant sein können?
  3. Welche Anforderungen stellt ein universitäres Seminar im Gefängnis an Sie und wie können Sie diesen gerecht werden?

Obwohl gefangene und in Freiheit lebende Studierende gleiche Fächer studieren und ähnliche Interessen teilen, sind sie sich in ihren akademischen und vermutlich auch außerakademischen Lebensbereichen noch nie begegnet. Daher soll ein Seminar mit kriminologischen und rechtlichen Inhalten in der JVA Tegel angeboten werden, an dem sowohl gefangene Studierende als auch in Freiheit lebende Studierende teilnehmen können.

Studieren in Gefangenschaft unterscheidet sich von einem Studium in Freiheit (vgl. der Lichtblick, 48 (2), 2016, S. 24). Daher soll Studierenden der JVA die Teilnahme an einem ganz „klassischen“ Seminar, wie es in Freiheit lebende Studierende kennen, ermöglicht werden. Unter einem Seminar ist hier eine Veranstaltung zu verstehen, in der gemeinsam ein bestimmtes Thema diskutiert wird. Durch die Inhaftierung fehlt es gerade an der Möglichkeit des fachlichen Austauschs mit anderen Studierenden und DozentInnen sowie der Diskussion und Präsentation von eigenem Wissen und Ideen. Seminare im Gefängnis können traditionelle Muster von Lernen im Strafvollzug aufbrechen und ermöglichen Gefangenen, anderen Studierenden und Lehrenden von draußen zu begegnen. Insgesamt können sie dazu beitragen, das Leben in Haft dem Leben in Freiheit anzugleichen, indem die in der Haft bestehende Bildungsisolation gefangener Studierender geringer wird. Zudem können Gefangene ihr „Expertenwissen“ im Hinblick auf kriminologisches Fachwissen weitergeben und dadurch ihr Selbstbewusstsein steigern.

Im Rahmen des Projekts wird im Sommersemester 2019 Prof. Dr. Susan Dewey von der University of Wyoming zu Gast sein (finanzielle Förderung durch joint seed funding von UW und FU). Susan Dewey organisiert im Strafvollzug von Wyoming seit mehreren Jahren das Lehrprojekt "Pathways from Prison", in dem Studierende von drinnen und draußen gemeinsam lernen.