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Erfahrungsberichte

1. Vincent Berthold, Teilnehmer 2018

An einem Moot Court teilzunehmen verbindet. Auf einmal hast du Mitstreiter und Kontrahenten. Letztere wolltest du immer schon haben. Mit denen erprobst du nämlich, dich juristisch zu duellieren. Deine Mitstreiter von der Heimatuni wachsen dir ans Herz. So war es bei mir und so wird es bei dir sein.

Jura zu erlernen ist Einzelsache, zumindest für einen Großteil der Studierenden. Aber wenn man ein gutes Team gefunden hat, verschieben sich die Horizonte. Man trifft sich auf dem Campus, teilt Unterlagen und Druck, leidet und gewinnt. Kurz: Man streitet gemeinsam. Streit ist manchmal das einzige, was hilft. Zivilprozessrecht gibt niemandem Vollkommenheit. Aber es kann den worst case verhindern. Zusammen mit dir, für deinen Mandanten und seine Rechte. Die Geschichten, in die ihr dabei eintaucht, sind filmreif. Ihr spürt, wie sehr die bisherigen Semester bereits Türen geöffnet haben.

Für die meisten, die dann in Hannover antreten, ist es eine erfrischende Erfahrung. Selbst für die Richter, die in ihrem Alltag in der Regel einen anderen Beruf ausüben. Als mein Team vor ein paar Jahren auf dem Spielfeld erschien, waren wir beeindruckt von den unterschiedlichsten Rednertypen. Ein kleiner Anfängerschock gehörte auch dazu. Dass man sich verspricht, während das Recht seines Mandanten auf dem Spiel steht, ist völlig normal. Dafür gibt es den Moot Court.

Wenn nach dem ersten Prozesstag alles gut geht, kann die Universität auch schonmal im Viertelfinale stehen. Dann wird es brenzlig. Behalten wir die bisherige Strategie bei? Besser ist es. Hat der nächste Gegner Schwachstellen? Die hat jeder. Wer spricht für uns, vertritt uns diesmal? Es ist die Seele des Teams, die dann gefragt ist. Zuhören, motivieren, den Funken auf die anderen übertragen. Dann bist du bereit für das Streitgespräch.

Bewirb dich einfach. Das meiste lernst du währenddessen. Um so besser, wenn du noch Interesse, Mut und Ausdauer mitbringst. Im Soldan Moot Court Team der FU kann sich einbringen, wer unseren Titel verteidigen will. Und das heißt: Liebe zur Sache. Wir freuen uns auf dich.

2. Markus Hoffmann, Teilnehmer 2019

Ich habe 2019 am Soldan Moot Court teilgenommen. Es bedurfte damals einiger Überzeugungsarbeit, um mich zur Teilnahme zu bringen. Rückblickend bin ich allerdings froh, dass ich mich habe umstimmen lassen. 

Neben einem ersten Gefühl für die gerichtliche Praxis aus anwaltlicher Sicht schon lange vor dem ersten Examen, hatte ich die Möglichkeit viele neue Leute, renommierte Kanzleien und andere deutsche Universitäten kennenzulernen. 

Die Teilnahme hat mich persönlich in Bereichen weitergebracht, die im Studium üblicherweise keine oder nur eine geringfügige Rolle spielen, aber gerade mit Blick auf den beruflichen Werdegang durchaus von Bedeutung sind. Hierzu zählt das – vor allem in den mündlichen Verhandlungen wichtige – Teamwork oder die Fähigkeit in einem mündlichen Streitgespräch selbstbewusst, spontan und geschickt auch bei großer Aufregung oder gar Lampenfieber zu agieren. 

Als erfrischend habe ich die teilweise Abkehr von der Wissenschaftlichkeit des Studiums empfunden, wenn in den Schriftsätzen, aber auch in den mündlichen Verhandlungen, eine gewisse Kreativität bei der Entwicklung einer guten Argumentation gefragt war. Um es in den Worten unseres damaligen Coaches wiederzugeben: „Der Schriftsatz verträgt ein wenig pointierte Polemik“. Das ist einleuchtend, auch wenn es mir damals zunächst seltsam vorkam, schließlich hat man bei einem Moot Court nicht mehr Gutachter, sondern Interessenvertreter zu sein. 

Aus diesen Gründen kann ich jedem nur empfehlen, sich die Möglichkeit einer Teilnahme an einem Moot Court – insbesondere natürlich dem Soldan Moot Court – im Studium nicht entgehen zu lassen.

3. Christopher Zens, Teilnehmer 2019

Der Praxisanteil in der universitären Ausbildung ist leider recht gering. Der Soldan Moot Court bietet die Möglichkeit, auf Basis einer umfangreichen Fallakte die Rechtspraxis sowohl am Schreibtisch, durch das Verfassen von Klage- und Klageerwiderungsschriftsätzen, als auch direkt im Gerichtssaal im Rahmen einer simulierten mündlichen Verhandlung kennenzulernen. 

Im Gegensatz zur Arbeitsweise im Studium wurde der Sachverhalt nicht vorgegeben, sondern musste zunächst aus der (sehr detaillierten) Fallakte ermittelt werden. Es war von Anfang an sehr spannend, die unzähligen Informationen aus der Fallakte in das Gesamtgeschehen einzuordnen und sich einen Überblick in ein bis dahin nicht bekanntes Rechtsgebiet (diesmal war es das Reiserecht) zu verschaffen. 

Im ersten Schritt des Wettbewerbs nahmen wir die Position des Klägers ein, indem wir einen Klageschriftsatz erarbeiteten. Hierbei stellten sich zahlreiche sowohl materiell- als auch prozessrechtliche Fragen, die natürlich möglichst zum Vorteil unseres „Mandanten“ beantwortet werden mussten. Dabei wurden wir von unseren Coaches sowie von Prof. Lomfeld und Prof. Muthorst unterstützt. Später erhielten wird dann den Klageschriftsatz eines anderen Teams, auf den wir, diesmal in der Position der Beklagten, mit einem weiteren Schriftsatz erwiderten. Dieser Einblick in die praktische Arbeitsweise war wirklich sehr spannend: So kennt man aus der Uni bloß den objektiven Blick auf das Geschehen, während wir nun einseitig die Interessen der Mandantschaft zu vertreten hatten und hierzu mitunter auch kreativ werden mussten.

Nach diesem schriftlichen Vorverfahren rückte die mündliche Verhandlung zunehmend näher. Um uns darauf vorzubereiten, übten wir das Plädieren sowohl in der Gruppe als auch mit Unterstützung von großen Anwaltskanzleien (Hengeler Müller, Görg und Schrade), die uns freundlicherweise zum Probe-Pleading mit anschließendem Get-Together in ihre Räumlichkeiten einluden. Die Möglichkeit sich mit Anwälten aus großen Kanzleien auszutauschen und Kontakte zu knüpfen ist ein weiterer Grund, warum sich die Teilnahme am Moot Court wirklich lohnt. 

Die ersten mündlichen Verhandlungen standen nun im Rahmen des Pre-Moots an der Bucerius Law School in Hamburg an. Obwohl wir im Vorhinein viel geprobt haben, ist die Situation im „Gerichtssaal“ doch eine ganz neue. Man sitzt der anderen Prozesspartei gegenüber und sollte ihr im besten Fall – sowohl juristisch als auch besonders rhetorisch – immer einen Schritt voraus sein. Diese Situation war für mich zunächst eher ungewohnt, so musste man nicht selten auf unerwartete Aktionen von Gegner oder Richter reagieren. Dies ist jedoch ein klarer Pluspunkt an der Teilnahme: Die Argumentation in der Prozesssituation hat mir großen Spaß gemacht und fördert die (gerade für Juristen unverzichtbare) Fähigkeit, frei zu sprechen und in Drucksituationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Hierbei steht aber besonders die Argumentation im Vordergrund – dass die mündliche Verhandlung zu einer mündlichen Prüfung wird, müsst Ihr also nicht befürchten. 

Mit entsprechender Vorfreude erwartete ich daraufhin die Hauptverhandlung, zu der sich alle teilnehmenden Teams an der Leibnitz-Universität Hannover einfanden. Das Wochenende hat die Möglichkeit geboten, sich mit Jurastudierenden aus ganz Deutschland austauschen zu können. Die mündlichen Verhandlungen waren jetzt erst recht spannend, da es nun auf die Bewertung der Juroren ankam. Der Wettbewerb endete schließlich mit dem Finale und der anschließenden Siegerehrung. Zum Abschluss des Wochenendes lud der Hannoversche Anwaltsverein zum Abschiedsempfang in die Burg Königsworth ein, wo wir das Wochenende gemeinsam ausklingen ließen. 

Im Rückblick auf den Wettbewerb, der uns insgesamt über mehrere Monate begleitet hat, kann ich für alle Interessierten eine deutliche Empfehlung aussprechen. Das praxisorientierte Arbeiten im Team hat mir großen Spaß gemacht und mich persönlich auch wirklich weitergebracht. Obwohl die Teilnahme am Soldan Moot Court natürlich ein gewisses Maß an Vorbereitung und Zeit in Anspruch nimmt, stand der Spaß stets im Vordergrund. Dadurch fällt es sehr leicht, sich eine Menge an sowohl theoretischem als auch praktischem Wissen anzueignen, wovon man ganz sicher profitieren wird. Ich persönlich habe im vierten Semester teilgenommen, also noch vor der Vorlesung zum Zivilprozessrecht. Dies ist jedoch kein Nachteil gegenüber fortgeschritteneren Teilnehmern gewesen, da für die erfolgreiche Teilnahme nur wenige ZPO-Grundkenntnisse nötig waren. Dafür haben mir die Erfahrungen aus dem Moot Court umso mehr in der Vorlesung zur ZPO geholfen, da mir viele Inhalte bereits aus der Schriftsatzphase oder den mündlichen Verhandlungen bekannt waren. 

Die Teilnahme hat mein Studium definitiv sehr bereichert, großen Spaß gemacht und mir die Gelegenheit gegeben, mich persönlich weiterzuentwickeln. Der „Perspektivenwechsel“ lockert das Studium auf und lohnt sich für Euch persönlich sehr. Ich kann Euch die Teilnahme somit sehr empfehlen!