Seminar zu interdisziplinären Perspektiven und Bezüge der Kriminologie zum Thema "Der Putsch der Generäle"

Im kommenden Wintersemester 2017/18 biete ich gemeinsam mit Prof. Dr. Susanne Zepp, Institut für Romanische Philologie, für das Modul „Thematische Vertiefung“ ein Seminar zu interdisziplinären Perspektiven und Bezügen der Kriminologie mit dem Thema 

Der Putsch der Generäle.

Zu strafrechtlichen Folgen und literarischen Bearbeitungen des französischen Militäraufstandes in Algerien vom April 1961

 an.

 Das Seminar, das zugleich am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften als komparatistisch angelegtes Hauptseminar konzipiert ist, untersucht aus kriminologisch-strafrechtlicher wie literaturwissenschaftlicher Perspektive die öffentlichen Prozesse gegen die Putsch-Generäle im Paris des Frühsommer 1961 und 1963 und deren Folgen.

 Aus dem Milieu der Verteidiger eines französischen Algerien, denen die Algerien-Politik de Gaulles zu liberal erschien und die eine Unabhängigkeit des Landes mit Gewalt blockieren wollten, war Ende 1960 die Terrorgruppe „Organisation de l’armée secrète“ (OAS) hervorgegangen, die schnell einen Staatsstreich vorzubereiten begann. Am 22. April 1961 führten die Generäle Maurice Challe, Edmond Jouhaud, Raoul Salan und André Zeller einen Putsch an, brachten Algier unter ihre militärische Kontrolle und verkündeten über eine Radiosendung ihre Machtübernahme. Doch die Mehrheit Frankreichs stellte sich hinter de Gaulle und demonstrierte mit dem bis dato größten Streik in der Geschichte des Landes, das der Staatsstreich das Land nicht zu spalten vermochte. Challe stellte sich, einige Tage später auch Zeller, Jouhaud und Salan gingen mit der OAS in den Untergrund und wurden 1962 verhaftet. Zur Geschichte der Prozesse und Urteile gehört auch, dass 1968 die Regierung Frankreichs die Putschisten amnestierte.

 Im Seminar werden die Prozesse gegen die Putsch-Generäle aus kriminologischer Sicht nachvollzogen und literarische Bearbeitungen der Ereignisse in Algerien und Frankreich diskutiert. Die Veranstaltung wird als (Teil-)Blockseminar am 26. und 27. Januar 2018 in Raum 009 des International House der Freien Universität (Ehrenbergstraße 26/28) stattfinden. Der Erwerb eines Seminarscheins setzt neben der Einreichung des schriftlichen Referates (15-20 Seiten bei 1/3 Rand und 1 ½ Zeilenabstand) einen mündlichen Vortrag in der Diskussion im Blockseminar voraus.

 Abgabetermin des schriftlichen Referates zu einem der untenstehenden Themen ist spätestens der 21. Dezember 2017. Am 15. November 2017 findet von 11 – 13 Uhr eine Einführungssitzung zum Seminar in Raum 009 des International House der Freien Universität (Ehrenbergstraße 26/28) statt. Anmeldungen für die juristisch/kriminologischen Themen (2, 3, 6, 7, 9, 10, 13, 15, 17) werden ab sofort im Sekretariat der Professur für Kriminologie und Strafrecht (bwitt@zedat.fu-berlin.de) entgegengenommen.

  Themenliste

1) Sétif, 8. Mai 1945 – Paris, 17. Oktober 1961 – Bürgerkrieg seit 1991: Kontexte der algerisch-französischen Geschichte

 2) Juristische und historische Semantik: Zu den Begriffen „Putsch“, „Ausnahmezustand“, „Staatsstreich“, „außergesetzlicher Notstand“ und „état de siège“

 3) Zeugenschaft im Prozessbericht: „Les procès du putsch d'Alger et du complot de Paris“ von Maurice Cottaz (Paris 1962) aus juristischer/kriminologischer Sicht

 4) Zeugenschaft im Prozessbericht: „Les procès du putsch d'Alger et du complot de Paris“ von Maurice Cottaz (Paris 1962) aus literaturwissenschaftlicher Sicht

 5) Historischer Essay und Öffentlichkeit: „Le Putsch des généraux“ von Pierre Abramovici (Paris 2011)

 6) Über die strafrechtliche Erfassung der Folter

 7) Das Lebenswerk von Henri Alleg von „La Question“ bis zur Aussage im Prozess gegen Paul Aussaresses 2005 aus juristischer/kriminologischer Sicht

 8) Das Lebenswerk von Henri Alleg von „La Question“ bis zur Aussage im Prozess gegen Paul Aussaresses 2005 aus literaturwissenschaftlicher Sicht

 9) Kolonialverbrechen als Kriminalität der Mächtigen

 10) Gewaltzirkel: Von Raoul Salan zu Victorien Salagnon im Roman „L'Art français de la guerre“ von Alexis Jenni aus juristischer/kriminologischer Sicht

 11) Gewaltzirkel: Von Raoul Salan zu Victorien Salagnon im Roman „L'Art français de la guerre“ von Alexis Jenni aus literaturwissenschaftlicher Sicht

 12) „Les Mémoires dangereuses“: Über ein Buchprojekt von Benjamin Stora und Alexis Jennis von 2016

 13) Migration, Kriminalität und Strafrecht. Ein Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich

 14) Generationengedächtnis und Historisches Urteil : Der Roman „Profession du père“ von Sorj Chalandon (Paris 2015)

 15) Juristische Aufarbeitung internationaler und transnationaler Konflikte

 16) Boualem Sansal, „Le Village de l'Allemand ou Le Journal des frères Schiller“ (Paris 2008)

 17) Konsequenzen von Putsch und Generalstreik: Juristische und historische Konturen der Fünften Republik

 

 Literatur zur Einführung:

 § Pierre Abramovici, Le Putsch des Généraux: De Gaulle contre l’armée 1958-1961, Paris 2011.

  • § Todd Shepard, The Invention of Decolonization: The Algerian War and the Remaking of France, Ithaca & London 2006.