Ankündigung Seminar Dr. Tassi SoSe 2020

News vom 03.02.2020

Dr. iur. Smaro Tassi, LL.M.                                                                         Sommersemester 2020

 Seminar
In Strafrecht und Rechtsphilosophie

Michel Foucaults Disziplinargesellschaft und das Rechtssubjekt

Allgemeine Hinweise:

Rechtsphilosophisches Seminar Voraussichtlich mittwochs, eventuell z.T. verblockt, Uhrzeit wird noch besprochen.

Vorbesprechung: 12.02.2020, um 10:00 Uhr.

Anmeldung erfolgt direkt über die Dozentin – per E-Mail an: tassism@zedat.fu-berlin.de

Erwartet werden: Aktive Mitarbeit im Seminar durch Teilnahme an der Diskussion, Fertigstellung einer Seminarhausarbeit von ca. 25 Seiten und Übernahme eines Referats von ca. 20 Minuten.

 Inhalte: Das Seminar will Grundfragen der Gesellschafts- und Subjekttheorie Michel Foucaults eingehend diskutieren. Der Fokus soll auf das Verständnis des Begriffes des Rechtssubjektes gerichtet werden. Foucaults Gesellschaftstheorie – i.e.S. auch als Machttheorie verstanden – spricht von einer „sozialen Orthopädie“, die oftmals kontrovers diskutiert worden ist. Das Subjekt scheint nach Foucault zwischen Werten und Normen, Zwängen und Verhaltensmustern für seine Autonomie zu kämpfen. Der Unterschied zu den klassischen rechtsphilosophischen Theorien, die von Kant und Hegel vertreten worden sind, forciert eine eingehende Auseinandersetzung mit den Ansichten Foucaults. Welches Rechts- und Politikverständnis legt Foucault seinen Analysen zugrunde? Ist darin noch ein Freiheitsbegriff zu erkennen? Wie ist die Subjekttheorie Foucaults im heutigen Lichte von Demokratie und Recht zu verstehen? Welche Funktion kommt dabei den Institutionen zu und welches Verhältnis weisen letztere zum Rechtssubjekt auf? Kann die Subjekttheorie Foucaults einen Kontrollmechanismus darstellen, um etwaigen Missbräuchen des etablierten demokratischen Rechtsstaatsdenkens vorzubeugen?

 

Die vorgeschlagenen Themen werden in der Diskussion beleuchtet, um dann auf zentrale Aspekte der foucaultschen Theorie im Rahmen des rechtsphilosophischen Diskurses eingehen und diese analysieren zu können. Als Ausgangspunkt soll folgendes Zitat aus dem Werk Foucaults dabei hilfreich sein: „ich möchte zeigen, wie der Panoptismus auf der einfachsten Ebene und in der alltäglichen Funktionsweise der Institutionen wirksam wird, die das tägliche Leben und den Körper des Einzelnen umgeben, also auf der Ebene des individuellen Daseins“ (Foucault M.: Die Wahrheit und die juristischen Formen, S. 106).

Themenliste:

  1. Die Disziplinargesellschaft Michel Foucaults und der Institutionenbegriff – Ein Vergleich zu Adornos Institutionenbegrif
  2. „Soziale Orthopädie“ und „Prozess der Verdummung“ – Die Autonomie des Subjektes bei Foucault und Adorno.
  3. Der Gesetzesbrecher als Feind der Gesellschaft nach Rousseau und der Straftäter in der Gesellschaftstheorie Foucaults – eine historische Umdeutung des abweichenden Verhaltens zu Lasten des Individuums?
  4. Benthams Panoptikum und die Überwachung des Individuums nach Foucault.
  5. Die Entstehung der Idee des Körperschaftsdenkens im 19. Jh. als Resultat der Neudefinierung des Individuums und der Entstehung des Rechtssubjektes im und aus dem Werk Foucaults.
  6. Die Reform des Kriminaljustizsystems im 19. Jh. im Lichte der foucaultschen Gesellschaftstheorie – Resultat der Aufklärung oder zweckmäßige Umdeutung des Strafvollzugs?
  7. Der Disziplinierungsgedanke Foucaults und Luhmanns Systemtheorie – ist eine autopoetische Wirkung des Disziplinierungsgedankens i.S.d. Systemtheorie denkbar?
  8. Der Gouvernementalitätsgedanke in Foucaults Werk und die Subjektivierung des Individuums.
  9. Die Subjektivierungsprozesse in Foucaults Werk I – Das Verhältnis von Subjektkonstitution und Machtverhältnissen.
  10. Die Subjektivierungsprozesse in Foucaults Werk II – Das Subjekt als Diskurseffekt. Der Diskurs und die Ordnung des Diskurses als Ausgangspunkt der Subjektkonstitution.

 Dozentin: Frau Dr. iur. Smaro Tassi, LL.M., Lehrbeauftragte der Freien Universität Berlin; Lehrbeauftragte für Strafrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin; Lehrbeauftragte der Universität Bielefeld – Fakultät für Rechtswissenschaft; Rechtsanwältin – Mitglied der Rechtsanwaltskammer Berlin.

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