Springe direkt zu Inhalt

Seminarankündigung Prof. Dr. Klaus Hoffmann-Holland/Prof. Dr. Susanne Zepp-Zwirner

News vom 04.03.2021

Seminarankündigung

Klaus Hoffmann-Holland / Susanne Zepp-Zwirner

Termine:

Einführungssitzung: 23. April 2021, 10:00-12:00 Uhr

Blocksitzung am 17. und 18. Juni 2021, jeweils 9:00-18:00 Uhr

Ort: WebEx-Sitzungen

Im kommenden Sommersemester 2021 biete ich gemeinsam mit Prof. Dr. Susanne Zepp-Zwirner, Institut für Romanische Philologie, für das Modul „Thematische Vertiefung“ ein Seminar zu interdisziplinären Perspektiven und Bezüge der Kriminologie mit dem Thema

„Kriegsverbrechen“ in Recht und Literatur“

an.

Das Seminar, das zugleich am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften als komparatistisch angelegtes Hauptseminar konzipiert ist, wird sich aus rechtswissenschaftlicher wie literaturwissenschaftlicher Perspektive mit einem zentralen völkerrechtlichen Begriff befassen, dem Begriff des Kriegsverbrechens.

Darunter werden schwere Verstöße von Angehörigen eines Krieg führenden oder sich in einem Bürgerkrieg befindlichen Staates gegen das völkerrechtliche Kriegsrecht verstanden. Dabei wird die Seminardiskussion sowohl auf völkerrechtliche wie literarische Themen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, des Spanischen Bürgerkriegs, des Zweiten Weltkriegs und weiterer bewaffneter Konflikte des 20. Jahrhunderts in Lateinamerika und Afrika eingehen.

Die Einführungssitzung findet am 23. April 2021 von 10-12 Uhr über WebEx statt.

Das Hauptseminar wird dann in Form eines Blockseminars am 17. und 18. Juni 2021 ebenfalls über WebEx den Fokus auf die Diskussion studentischer Präsentationen legen, die in der Zeit zwischen den Einführungssitzungen und dem Blockseminar erarbeitet und in einem digitalen Format freier Wahl (z.B. als Podcast, Padlet, etc.) der Seminargemeinschaft vorab zur Verfügung gestellt werden.

Der Erwerb eines Seminarscheins setzt neben der Einreichung des schriftlichen Referates (15-20 Seiten bei 1/3 Rand und 1 ½ Zeilenabstand) einen mündlichen Vortrag in der Diskussion im Blockseminar voraus. Abgabetermin des schriftlichen Referates ist 28. Mai 2021. Die Abgabe soll per Mail erfolgen.

Anmeldungen für die rechtswissenschaftlichen Themen (1b, 2b, 3b, 4b, 5b, 6b, 7b, 8b, 9b) werden ab sofort im Sekretariat der Professur für Kriminologie und Strafrecht (kriminologie@fu-berlin.de) entgegengenommen.  

 Thema 1

Un souvenir de Solférino – Zur Entstehung des Humanitären Völkerrechts

1a) Eingreifendes Schreiben: Henry Dunant, „Un souvenir de Solférino“ (1862);

1b) Die erste Genfer Konvention „betreffend die Linderung des Loses der im Felddienst verwundeten Militärpersonen“ von 1864 und die Entstehungsgeschichte des Humanitären Völkerrechts.

 Thema 2

Die Leipziger Kriegsverbrecherprozesse nach dem Ersten Weltkrieg

2a) Der historische Essay als Modus von Kritik: John Horne & Alan Kramer, German Atrocities, 1914: A History of Denial, Yale University Press 2001;

2b) Deutsche Kriegsverbrechen und ihre strafrechtliche Verfolgung nach dem Ersten Weltkrieg.

 Thema 3

Der erste Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965

3a) Theatrale Kritik von Entlastungsrhetorik: Peter Weiss, Die Ermittlung (1965);

3b) Zeugen und Urteilsfindung im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965).

 Thema 4

Diktatur und Gewaltverbrechen in Chile

4a) Zur Repräsentation der Verbrechen der chilenischen Militärdiktatur als Kriegsverbrechen in der Literatur: Ariel Dorfman, „Death and the Maiden“ (1991);

4b) Die spanischen und britischen Verfahren gegen Pinochet.

 Thema 5

Transitional Justice in Peru und Kolumbien

5a) Mit Kriegsverbrechen leben: Über den Roman „35 muertes“ von Sergio Álvarez (2011);

5b) Die Barrios Altos-Entscheidung des IAmGMR, die Verurteilung des ehemaligen peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori und das Kolumbianische Sondergericht für den Frieden.

 Thema 6

Straflosigkeit der Kriegsverbrechen in El Salvador und Guatemala

6a) Die Dichtung von Claudia Lars als implizite Thematisierung der Verbrechen in El Salvador und der 2019 erschienene Roman „Tiempos recios” von Mario Vargas Llosa über die Ereignisse des Jahres 1954 in Guatemala;

6b) Amnestie und Straflosigkeit in El Salvador und Guatemala.

 Thema 7

Zurechnung von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht: Der Fall Nicaragua

7a) Zur Darstellung des Krieges in “El país bajo mi piel, memorias de amor y de guerra” von Giaconda Belli (2001);

7b) Die Nicaragua-Entscheidung des IGH und die Frage der Zurechnung von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht im Spiegel der internationalen Rechtsprechung.

 Thema 8

Spanischer Bürgerkrieg und Franco-Diktatur

8a) Republikanische Autor*innen im Exil und ihr Schreiben über die Kriegsverbrechen während des Bürgerkriegs;

8b) Der Umgang mit den Verbrechen des spanischen Bürgerkrieges und der Franco-Diktatur in Spanien nach 1975 unter Berücksichtigung der Strafverfolgungsbemühungen Baltasar Garzóns und der Rechtssache Gutiérrez Dorado und Dorado Ortiz.

 Thema 9

Kriegsverbrechen heute: Das Beispiel Syrien

9a) Von Folter erzählen: Der Roman „La coquille: Prisonnier politique en Syrie“ von Moustafa Khalifé;

9b) Strafverfolgung ohne Grenzen: Völkerrechtsverbrechen vor deutschen Gerichten unter besonderer Berücksichtigung des Al-Khatib-Verfahrens vor dem OLG Koblenz.

 

 

2 / 5