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Philip C. Jessup International Law Moot Court Competition - deutsche Vorrunde 2018 in Kiel

Das FU-Jessup Team 2018 (v.l.n.r.: Carl Nägele, Adrian Lacin, Ellen Schmidt, Valentina Chiofalo, Cirus Petzold, Pia Wolski)

Das FU-Jessup Team 2018 (v.l.n.r.: Carl Nägele, Adrian Lacin, Ellen Schmidt, Valentina Chiofalo, Cirus Petzold, Pia Wolski)
Bildquelle: Carl Nägele

Die Freie Universität hat 2018 wieder mit einem Team am Philip C. Jessup Moot Court teilgenommen.

Der Jessup Moot Court wird seit 1959 von der International Law Students Association (ILSA) organisiert. 2018 nahmen Studierende von über 645 Universitäten aus 95 Ländern teil.

Der Sache nach geht es um eine simulierte Gerichtsverhandlung in englischer Sprache vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Teams repräsentieren die streitenden Staaten sowohl auf Kläger- wie auch auf Beklagtenseite ("Applicant" und "Respondent") und müssen durch Einreichung von Schriftsätzen ("Memorials") und in einer mündlichen Verhandlung ("Pleadings") – jeweils in englischer Sprache – zunächst in einem nationalen Vorausscheid gegen die Teams der anderen Universitäten antreten.

Wie in jedem Jahr, bot auch der diesjährige Sachverhalt spannende Fragen, die die völkerrechtliche Wissenschaft und Praxis aktuell beschäftigen: Unter welchen Umständen sind zwischenstaatliche Schiedssprüche aufzuheben? Dürfen unbemannte "Unterwasser-Aufklärungsdrohnen" die territorialen Gewässer anderer Staaten durchqueren? Gibt es ein völkergewohnheitsrechtliches Verbot für Staaten, sich nukleare Waffen anzuschaffen? Und schließlich: wie verhält es sich mit gewaltsamen Durchsetzungsmaßnahmen auf hoher See?

Das Team der Freien Universität, bestehend aus Adrian Lacin, Cirus Petzold, Ellen Schmidt und Pia Wolski (gecoacht von Valentina Chiofalo und Carl Nägele) setzte sich im Wintersemester 2017/2018 intensiv mit diesen schwierigen völkerrechtlichen Problemen auseinander. Sowohl für Kläger- und Beklagtenseite wurden hierfür zunächst minutiös recherchierte Schriftsätze angefertigt. Dabei galt es Staatenpraxis auszuwerten, Rechtsprechung des IGH zu durchforsten und in der einschlägigen Literatur nach Argumenten zu suchen. Nach Abgabe der Schriftsätze im Januar 2018 bereitete sich das Team schließlich auf die National Rounds vor. Hierfür mussten die Studierenden ihre Argumente in einen ca. 20-minütigen Vortrag einbinden, den sie durch regelmäßige "Probe-Pleadings" perfektioniert haben.

Die National Rounds wurden schließlich Ende Februar/Anfang März vom Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ausgerichtet. Das Team rund um die beiden National Administrators Torben Herber und Jens Kaiser schaffte es für die insgesamt 19 Universitäten einen grandiosen Wettbewerb zu organisieren. Die Mitarbeiter*innen und freiwilligen Helfer*innen des Walther-Schücking-Instituts standen jederzeit bereit um den Teams zu helfen. Die Vorrunden-Matches fanden vor würdiger Kulisse in den Räumlichkeiten des Landesparlaments von Schleswig-Holstein statt. Insbesondere der Plenarsaal bot mit seiner Aussicht auf die Hafeneinfahrt das perfekte Ambiente um über Fragen des internationalen Seerechts zu debattieren. Zudem stellte das nahegelegene GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel eigens eine reale Version der autonomen Unterwasserdrohne aus dem Fall – der Egart – zur Verfügung. Damit war das Setting für den Wettbewerb perfekt. Als Vorsitzender Richter für das Finale und als Key-Note-Speaker für das Noerr-Galadinner konnten die Organisatoren schließlich den Präsidenten des Internationalen Seegerichtshofs, Jin-Hyun Paik, gewinnen. Er bot in seiner Ansprache am letzten Abend einen positiven Ausblick auf aktuelle völkerrechtliche Problemfelder und ermutigte alle Teilnehmer*innen, sich ihrer Möglichkeiten in der völkerrechtlichen Arbeitswelt bewusst zu sein. Insgesamt bot Kiel damit einen rundum warmen Empfang – trotz eisiger Winde von seewärts.

In den Matches musste sich das Team der Freien Universität dann nicht nur den gegnerischen Teams, sondern auch den Fragen der jeweils mit Professor*innen, Praktiker*innen und Richter*innen (internationaler) Gerichte besetzten "Benches" stellen. Zwar konnte sich das Team am Ende leider nicht für die International Rounds in Washington, D.C. zu qualifizieren. Jedoch überzeugten die Teammitglieder in den Pleadings rundherum mit ihren individuellen Leistungen. Cirus Petzold und Ellen Schmidt schafften es unter die Top-25 der Einzelwertungen. Zudem sammelten die Studierenden wertvolle Erfahrungen im Völkerrecht und stellten ihre Fähigkeiten bei der fachbezogenen Präsentation in englischer Sprache auf höchstem Niveau unter Beweis. Schließlich bot der Jessup wie jedes Jahr die Möglichkeit, hautnah mit Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen aus aller Welt in Kontakt zu treten und auf Augenhöhe zu diskutieren.

Ganz besonderer Dank gilt – neben den Organisatoren vom Walther-Schücking-Institut Kiel – schließlich noch den vielen Unterstützern des FU-Teams hier in Berlin:

In der Vorbereitungsphase konnte das Team vor Anwälten und Anwältinnen der Kanzleien Blomstein, Hengeler Mueller und Gleiss Lutz proben. Die Praktiker*innen gaben wertvolle Tipps für die Präsentation der Argumente. Auch ergab sich durch die Besuche in den Kanzleien Gelegenheit, die Arbeit der Anwält*innen kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Für diese Unterstützung möchten wir uns ganz herzlich bedanken!

Auch ehemalige Teilnehmer*innen des Jessups an der Freien Universität, wissenschaftliche Mitarbeiter*innen und Prof. Krieger und Prof. Aust standen dem Team tatkräftig als "Richter*innen" zur Seite. Für die Generalprobe übernahm zudem – neben Prof. Krieger und Prof. Aust – Prof. Pierre d'Argent, LL.M. (Cantab) den Vorsitz. Der Völkerrechtler von der Université catholique de Louvain war insbesondere durch seine eigenen Erfahrungen im Bereich der internationalen Streitbeilegung vor dem IGH – er war dort von 2009 bis 2011 als First Secretary tätig – eine Bereicherung für die Vorbereitung des Teams auf den Wettbewerb.

Im Jahr 2019 will die Freie Universität wieder am Philip C. Jessup Moot Court teilnehmen. Wir suchen deshalb interessierte Studierende! Bei Fragen zur Bewerbung und zum Jessup allgemein steht

Carl Nägele (c.a.naegele[at]fu-berlin.de)

jederzeit gerne zur Verfügung. Weitere Informationen zum Bewerbungsprozess folgen in Kürze.

Weitere Informationen finden Sie hier.