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Reisebericht Hongkong 2017

 Reisebericht Hongkong 2017


14th Willem C. Vis (East) International Commercial Arbitration Moot

 

Reisebericht HongKong 24.03.2017 – 02.04.12017

 

Nachdem wir auf unseren Pre-Moots in Hannover und Edinburgh und bei etlichen Probepleadings in Kanzleien unsere Pleadings geübt und verbessert hatten, ging es am 24. März 2017 endlich los – Ziel Nummer 1: Hongkong calling!

Da der Großteil des Teams noch nie in Hongkong war, freuten wir uns umso mehr am 14th Willem C. Vis East International Commercial Arbitration Moot teilnehmen zu dürfen.

Der diesjährige Fall war in der Flugzeugindustrie angesiedelt und handelte von dem Verkauf von Ventilatorenflügeln. Den prozessrechtlichen Teil galt es nach den CAM-CCBC-Rules zu beurteilen, während der materiell-rechtliche Teil im CISG angesiedelt war. Kurz gefasst ging es um die Auslegung von vermeintlich widersprüchlichen Vertragsklauseln, konkret darum welcher Wechselkurs für die Kaufpreiszahlung anwendbar ist. In den mündlichen Verhandlungen hieß es somit für uns das Schiedsgericht von der Zulässigkeit der Klage zu überzeugen und ob im Falle der Zulässigkeit Kostensicherheit für den Beklagten gewährt werden sollte oder nicht. Zur Diskussion stand außerdem, welche Partei eine gewisse Servicegebühr in Höhe von 0,5% des Kaufpreises zu tragen hatte.

Voller Tatendrang und nach 6 Monaten intensiver Vorbereitung, fühlten wir uns mehr als bereit für unsere Pleadings. Die 11 Stunden Flug vergingen schneller als gedacht und schon waren wir angekommen. Uns erwarteten angenehme 22° Celsius. Unser Hotel lag auf dem Festland von Hongkong in Kowloon City und damit ganz in der Nähe von der City University, wo die Pleadings stattfinden würden.

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, blieb nur kurz Zeit zum Auspacken, denn wir waren alle hungrig und wollten unbedingt die lokale Küche ausprobieren! In der Nähe des Hotels fanden wir ein kleines, nicht so touristisches Lokal, in dem wir chinesische Kleinigkeiten probierten. Im Anschluss daran fuhren wir nach Hongkong Island, um an der Welcomeparty teilzunehmen. Diese fand in einer Rooftop-Bar eines Hochhauses unweit von Lan Kwai Fong statt - der Partymeile von Hongkong. Auf der Party trafen wir viele Teams, die wir schon von diversen Pre-Moots oder Probepleadings kannten und konnten dazu weitere erste neue Freundschaften und Kontakte knüpfen – und das alles mit einer großartigen Sicht über den „Concrete Jungle“ von Hongkong. Unser erster Eindruck von Hongkong war überwältigend. Was für eine beeindruckende und vielseitige Stadt! Wir freuten uns jetzt schon drauf mehr von Hongkong und natürlich auch vom Nachtleben gemeinsam kennen zu lernen.

Am Sonntag hieß es dann, den Ort des Geschehens auszukundschaften und wir begaben uns das erste Mal in die City University von Hongkong. Dort registrierten wir zunächst unser Team für den Wettbewerb und erkundeten dann ein wenig die Universität. Am Abend fand die offizielle Willkommensveranstaltung statt, auf der die Hauptorganisatorin Louise Barrington gefolgt von einigen Sponsoren Willkommensreden hielten. Unter anderem stellte sich auch die Moot Alumni Association (MAA) vor, welche als Organisator vieler „Social-Events“ während unserer Aufenthalte in Hongkong und Wien tätig geworden war. Im Anschluss an die Veranstaltung erwartete uns ein Buffet. Hier hatten wir Gelegenheit weitere Mooties, Coaches, Arbitrator, Sponsoren oder sonst in den diesjährigen Vis East Involvierte kennenzulernen. Um am nächsten Morgen fit für das erste Pleading der Vorrunde zu sein, begaben sich Kathrin und Zhelyan frühzeitig zurück ins Hotel, während sich die anderen aufmachten, ein erstes Mal die Moot Bar zu besuchen. Die Moot Bar befand sich mitten im Herzen von Lan Kwai Fong und dort sollten jeden Abend zahlreiche Mooties und auch Coaches und Arbitrator zusammentreffen, um das neben den professionellen Erfolgen wichtigste Ziel des Moots zu verfolgen: Spaß haben und als „Familie“ zusammenwachsen!

Am Montag war es dann soweit: Das erste Hearing stand bevor. Das gegnerische Team stammte aus Taiwan und vertrat die Beklagtenseite, sodass wir argumentativ auf Seiten des Klägers standen. Obwohl Zhelyan und Kathrin sehr aufgeregt vor dem allerersten richtigen Pleading waren, haben sie ein ausgezeichnetes Feedback erhalten und waren somit voller Tatendrang für die nächste Runde.

Am Dienstag dann folgte das zweite Pleading. Diesmal wartete das indische Team aus Hidayatullah auf uns. Hier vertrat nun der zweite Teil des Hongkong Teams mit Tawon und Nathanael die Freie Universität Berlin. Auch hier konnte unser Team wieder voll und ganz überzeugen und erhielt ein großartiges Feedback. Zur Halbzeit der General Rounds hatten wir somit bisher all unsere Erwartungen erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen.

Sehr euphorisch machten wir uns daher am Abend auf den Weg nach Hongkong Central, wo wir gemeinsam mit den meisten anderen deutschen Teams zu einem Empfang einer deutschen Kanzlei eingeladen waren. Dort konnten wir uns bei Häppchen und Getränken über den Dächern Hongkongs über unsere ersten Erfahrungen der Pleadings und über die neuen Eindrücke von Hongkong austauschen.

Am Mittwoch um 8 Uhr trafen wir dann auf unseren bisher stärksten Gegner der General Rounds: die Pontifícia Universidade Católica de São Paulo. Hier traten Zhelyan und Kathrin auf Seiten des Beklagten an. Obwohl das gegnerische Team sehr stark war, konnten Zhelyan und Kathrin ebenfalls mit ihrer Leistung glänzen, sodass das Tribunal alle vier Pleadenden mit hervorragendem Feedback und die ganze Runde „als bestes Pleading der General Rounds, welches sie dieses Jahr gehört hatten“ bezeichneten. Ein perfekter Abschluss für Kathrin und Zhelyan in den General Rounds.

Am Abend unternahmen wir mit einigen anderen Teams eine von der MAA organisierte Tramfahrt durch Central Hongkong, die uns schließlich an der berühmten Pferderennbahn absetzte, wo sich an diesem Abend alle Teams trafen, um sich die Rennen gemeinsam anzusehen. Die Pferderennbahn Happy Valley ist eine der Besonderheiten in Hongkong, da man hier die atemberaubende Skyline besonders gut sehen konnte. Dies war eines unserer Highlights während unseres gesamten Hongkong Besuches und einige Mooties hatten sogar Glück mit ihren Wetten.

Das letzte Hearing der General Rounds fand dann am Donnerstag statt. Hier traten Tawon und Nathanael gegen die Xiamen Universität aus China an. In diesem Pleading wurde unsere Euphorie aus den vorherigen Runden ein klein wenig gedämpft, da wir ein sehr schwer durchschaubares Tribunal vor uns hatten.

Somit versuchten wir unsere Erwartungen niedrig zu halten, als wir uns direkt im Anschluss an die letzten Pleadings der Vorrunde auf den Weg zu der Veranstaltung machten, in welcher verkündet werden sollte, welche Teams es in die Elimination Rounds geschafft hatten. Nach einem von der MAA organisierten Rahmenprogramm war es dann so weit – die Verkündung fand statt. Und dann kam der Moment, auf den alle insgeheim gehofft hatten. Es hieß „Free University of Berlin“ und die Freude im Team war sehr groß. Wir hatten es zusammen mit fünf anderen deutschen Teams tatsächlich unter die besten 32 aus über 120 Teams geschafft! Dies bedeutete, dass der Moot für uns noch nicht vorbei war, sondern dass wir am nächsten Morgen Teil der Elimination Rounds waren.

Um 11 Uhr am Freitag stand also unser nächstes Pleading gegen die Bond University aus Australien an. Hierfür traten noch einmal Kathrin und Zhelyan auf Beklagtenseite an. Trotz hervorragender Leistung beider hat es leider nicht gereicht, die Gegner von der Bond University zu schlagen. Trotzdem suchten die Arbitrator nach der Verkündung noch einmal das persönliche Gespräch mit beiden, um klarzustellen, dass es ein Kopf an Kopf rennen waren und dass wir trotzdem sehr zufrieden mit unserer Leistung sein können und das waren wir auch!

Am Nachmittag hatten wir dann endlich einmal Zeit, Hongkong zu erkunden. Leider hat es ausgerechnet an unserem ersten freien Nachmittag in Strömen geregnet, jedoch war dies aufgrund der sommerlichen Temperaturen auszuhalten. Am Abend machte sich zum ersten Mal das gesamte Team gemeinsam auf den Weg in die Moot Bar, um gebührend auf die bisherigen Erfolge anzustoßen.

Am Samstag fanden die Viertel- und Halbfinals statt. Bei strahlendem Sonnenschein haben wir den Vormittag in der Stadt verbracht.

Für den Nachmittag hatte die MAA ein Seafood Dinner organisiert. Dieses sollte auf einer Insel vor Hongkong stattfinden. Die Fahrt mit der Fähre war sowohl auf dem Hinweg im Sonnenuntergang als auch auf dem Rückweg entlang der Skyline bei Nacht ein absolut magischer Moment, der die ganze Gruppe enger zusammenschweißte. Die Insel, auf der das Seafood Dinner stattfinden sollte, stellte ein absolutes Kontrastprogramm zu allem dar, was wir bisher von Hongkong gesehen hatten. Mit seinen kleinen Fischerbooten und –häusern und dem im Sonnenuntergang schimmernden Wasser entstand dort eine ganz besondere Stimmung.

Im Restaurant erwartete uns ein mehrgängiges Dinner. Louise Barrington bat dabei von Zeit zu Zeit jeden Tisch einen Song vorzutragen, was die sowieso schon euphorische Stimmung aller Mooties nur noch weiter anhob.

Im Anschluss an das Seafood Dinner entschlossen wir uns vor der Abschlussfeier noch zum Victoria Peak zu fahren, da wir dies bei Tag aufgrund stundenlanger Wartezeiten noch nicht geschafft hatten. Der Ausblick bei Nacht auf die Skyline Hongkongs war wahrhaftig atemberaubend und wird für immer in unseren Erinnerungen bleiben. Anschließend gingen wir noch auf die Abschlussfeier, welche in einem von der MAA angemieteten Club in Lan Kwai Fong stattfand. Dort hieß es ein letztes Mal, den Moment mit all unseren neuen Freunden zu genießen, die Erlebnisse Revue passieren zu lassen und einfach die gemeinsame Zeit zu feiern.

Am Sonntag fand dann das Finale des 14th Vis Moot East im Rennaissance Hong Kong Harbour View Hotel statt. Dort trafen die West Bengal National University of Juridical Sciences und die Nalsar University of Law aufeinander. Das spannende Finale konnte schließlich West Bengal für sich entscheiden, aber auch für uns war die Awardverleihung nochmals eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Neben dem Essen wurden etliche Awards und Honourable Mentions für Teams sowie individuelle Sprecher verliehen. Trotz unseres ausgezeichneten Feedbacks hätten wir uns niemals erträumt, dass auch wir unter den besten 10% aller Speaker sein könnten, doch genau das geschah. Als die Liste der ca. 35 Honourable Mentions for Best Oral Advocate vorgelesen wurde, befanden sich unter den Namen nicht einer, nicht zwei, sondern gleich drei unserer Teammitglieder! Nathanael, Tawon und Kathrin wurden mit einer solchen Honourable Mention für ihre hervorragende individuelle Leistung ausgezeichnet. Was für ein Abschluss für unser Team! Wir sind unendlich glücklich mit unserer Leistung, haben es nicht nur mit fantastischen Leistungen in die Elimination Rounds of 32 geschafft, sondern darüber hinaus noch drei Honourable Mentions für unsere Speaker erhalten.

Voller Glück und Emotionen machten wir uns nachmittags, nachdem wir uns von all unseren neuen Bekanntschaften verabschieden mussten, dann auf den Weg zum Flughafen. Als wir dann am Flughafen standen, waren wir wiederum alle erstaunt wie schnell und wie intensiv die Zeit vergangen ist – so viele Erinnerungen, so viele Gefühle, so viel Erfolg. Uns standen 12 Stunden Flug bevor, auf dem wir erst einmal Revue passieren lassen konnten und mussten, was wir alle erlebt hatten. Die Entscheidung als Teammitglied des Arbitration Moot Courts war für uns definitiv die beste Entscheidung unseres bisherigen Studiums. Wir alle haben sowohl auf professioneller als auch auf zwischenmenschlicher Ebene viel gelernt und viele neue Bekanntschaften gemacht, wofür wir alle sehr dankbar sind. Wir sind unendlich dankbar, dass wir Teil dieses unglaublichen Wettbewerbs sein durften und können die Teilnahme am Willem C. Vis (East) International Commercial Arbitration Moot jedem Studenten nur empfehlen!

Das Team der Freien Universität Berlin