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European Law Moot Court 2007/2008

Der ELMC ist der größte europarechtliche Moot Court. Teams aus der ganzen Welt bearbeiten dabei anwaltlich einen Fall aus dem Europarecht und tragen diesen später auch in simulierten Gerichtsverhandlungen gegeneinander aus. Die „Regional Finals“ der 48 besten Teams fanden dieses Jahr in Valencia, Bangor, Dallas und Maribor statt, das All European Final der vier besten Teams wird jährlich in den Räumlichkeiten des EuGH in Luxemburg ausgetragen.
Neben vertieften Kenntnissen im Europarecht erlernt man während des Moot Courts auch Teamfähigkeit, Rhetorik und Verhandlungsgeschick, verbessert seine englischen und französischen Sprachkenntnisse (der ELMC ist bilingual) und knüpft tolle Kontakte zu wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren des Fachbereichs.

In der ersten Phase des ELMC muss der Fall jeweils vom „Applicant“, also dem Kläger, und dem „Defendant“, dem Beklagten, schriftlich in Form von „Observations“ bearbeitet werden. Hier stößt man gleich auf einen der interessantesten Aspekte eines Moot Courts: Der Fall wird nicht, wie sonst im Studium üblich, aus rein objektiver Sicht gelöst, sondern zielgerichtet für die vertretene Partei.
Dafür liest man dann den Fall wieder und wieder, versucht die kleinsten Details zu finden, um die eigenen Argumente zu unterstützen, liest Entscheidungen und Richtlinien in Englisch und Französisch, um so eine günstigere Interpretation zu finden, und merkt dabei langsam, dass einem die vertretene Partei richtig am Herzen liegt. Das zeigt dann auch, warum Moot Courts auf Lebensläufen so gern gesehen werden: Man muss und will immer eine überzeugende Argumentation für seine Seite liefern, auch wenn die besseren Argumente auf den ersten Blick vielleicht für die andere Partei sprechen.
Und nach gefühlten fünf Semestern, in denen diese „Observations“ erarbeitet wurden, kommt in einem dann ein wunderbares Gefühl von Erleichterung und Stolz auf, wenn man zehn Minuten vor Schluss (glaubt mir, früher wird das nichts!) auf „Abschicken“ klickt und so die geliebte Arbeit in die Welt hinaus schickt.

Nach kurzer Verschnaufpause beginnt dann auch schon die Vorbereitung auf die mündliche Phase. Die Vorbereitung besteht grob zusammengefasst aus üben, üben...üben! Die Schriftsätze dienen als Vorlage für die „Pleadings“, für die sowohl „Applicant“ als auch „Defendant“ jeweils 15 Minuten eingeräumt werden. Daneben gibt es auch die Position des „Advocate General“, dem Generalanwalt, der den Sachverhalt möglichst objektiv bewertet, und den „Commission Representative“, der für die Belange der Europäischen Kommission eintritt. Diese äußern sich in der Verhandlung nach den „Pleadings“ der Parteien und haben dafür 10 Minuten Zeit.
Es gilt jedoch in der vorgegebenen Zeit auch die unzähligen und gefürchteten Zwischenfragen der Richter bzw. Proberichter zu beantworten. Hier zeigt sich, wer mit dem Standpunkt der jeweiligen Partei und dem Europarecht allgemein vertraut ist. Doch mit der Zeit gewinnt man auch dabei mehr Selbstsicherheit und schafft es, auch missliebige Fragen souverän zu beantworten oder zumindest gekonnt zu umgehen.

Dank der Kooperation mit der Universität Osnabrück wird es den Moot Court Teams ermöglicht, dieses Training auch im Ernstfall anzuwenden, selbst wenn man sich – wie wir – nicht für die mündliche Runde qualifizieren konnte. Der Austragungsort wechselt von Jahr zu Jahr. Wir hatten das Glück, nach Osnabrück fahren zu können und gegen das dortige Team anzutreten. Während des „Pleadings“ hängt man dann an jedem Wort der Gegenseite, um sich auf die „Reply“, die Antwort auf den Beklagtenvortrag, vorzubereiten und dessen Argumentation auseinander zu nehmen. Darauf folgt wiederum der „Rejoinder“, die Antwort auf die „Reply“.
Neben der Erfahrung einer mündlichen Verhandlung ist es auch überaus interessant, einmal mit anderen Teams in Kontakt zu kommen. Denn auch dieses hing ja monatelang über denselben Zeilen und saugte sich etwas aus Richtlinien, Urteilen und Fingern.

Insgesamt ist der Moot Court eine Erfahrung, die keinem Jurastudenten vorenthalten bleiben sollte. Selbstverständlich profitiert man fachlich von der Teilnahme. Darüber hinaus werden aber auch Durchhaltevermögen und Einsatzbereitschaft nicht nur auf die Probe gestellt, sondern sogar gestärkt.
Außerdem ist das Verhältnis untereinander ein ganz besonderes. Aus vormals unbekannten Gesichtern entsteht ein freundschaftliches - fast schon familiäres - Team, zu dem natürlich auch die Betreuerin einiges beiträgt!
Auch über die eigene Person lernt man während des Moot-Courts nie aus: Wie verhalte ich mich in unvorbereiteten Situationen? Und bleibe ich selbst bei den hartnäckigsten Fragen noch ruhig und höflich? Oder wirke ich beim mündlichen Vortrag überzeugend genug auf die Richterbank? All das und noch viel mehr erfährt man, wenn man sich der Herausforderung eines Pleadings stellt.
Wir alle hatten ein Semester lang eine besondere Aufgabe als Repräsentanten der Freien Universität, die uns besonders viel Spaß gemacht hat. Zum Schluss bleibt uns als Ex-Mooties eigentlich nur eines zu sagen: Es war eine der besten und lehrreichsten Erfahrungen unseres Jura-Studiums....und es kann auch eure werden!

Marlen Miegel, Lars Müller, Hannes Köhler, Anja Sasse